Impulse der Google Next: Wie die KI zum handelnden Akteur in unserer Arbeitswelt wird
Die Google Next 2026 in Las Vegas zeigte auf, in welch rasanter Geschwindigkeit sich die KI-Welt seit der Konferenz vor einem Jahr entwickelt hat und wie Unternehmen in naher Zukunft arbeiten werden. Der rote Faden des Events war eindeutig: Wir bewegen uns von KI als Werkzeug hin zu KI als handelndem Akteur. Was das für Unternehmen konkret bedeutet, haben unsere Kollegen Jerry, Antonio und Michael nach ihrem Besuch in Las Vegas ergründet.


Von isolierten KI Features zu Multi-Agenten
„From AI that answers to AI that acts“. Künftig wird es weniger um einzelne KI-Features und isolierte Chatbots gehen als vielmehr um autonome KI-Agenten, die planen, handeln, miteinander kommunizieren, sich koordinieren und mit Tools interagieren können. Diese Agenten sind die neuen Microservices – mit Identitäten, klar definierte Berechtigungen und Memory-Speicher, die über standardisierte Protokolle (A2A, Agent Registry) kommunizieren.
Die wahre Stärke der Zukunft entsteht demnach nicht durch einen „Super-Agenten“, sondern durch Multi-Agenten-Systeme: Spezialisierte Agenten arbeiten arbeitsteilig zusammen und bilden erst im Zusammenspiel ein robustes System.
Multi-Orchestrierung wird zum integralen Bestandteil
Das deutet eine weitere erhebliche Veränderung an: Modelle werden austauschbar, die Plattform drumherum macht den Unterschied.
Unternehmen werden künftig plattformgetrieben, nicht modellgetrieben, entscheiden. Je nach Use Case, Governance Anforderung, Kosten oder Performance kommt das passende Modell zum Einsatz – orchestriert von einer gemeinsamen Plattform.
Der Wettbewerb verschiebt sich damit spürbar: Weniger Fokus auf einzelne Modelle – mehr Fokus auf Orchestrierung, Governance und Ausführungskontrolle. KI wird zum Full-Platform-Layer, das in jedem Layer des Stacks eingebettet ist: von der Cloud Infrastruktur, über die Produktivitätseinheiten und Tools, im Bereich der Analyse und des Kundenservices sowie bei Cybersecurity und Operations. Das zeigt deutlich, dass es weg von einzelnen KI-Projekten hin zu einer fundamentalen Integration von KI in tägliche Systeme und Prozesse geht – KI wird zum integralen Bestandteil der IT. Google positioniert sich dabei als „Betriebssystem“ für die agentische Unternehmenswelt – eine spannende strategische Positionierung.
Daten bleiben die Basis jeder KI-Architektur
Ohne Daten keine Agenten – und ohne gute Daten keine guten Entscheidungen.
Doch auch hier deutet sich eine tiefgreifende Verzahnung an: Datenarchitekturen werden KI-nativ gedacht und sollen Daten, Kontext und Aktion in einem System zusammenführen.
Der Paradigmenwechsel:
- Daten nicht nur speichern oder analysieren
- sondern direkt für autonome Aktionen nutzbar machen
Für Unternehmen bedeutet das ganz konkret neue Architekturfragen:
- Wie regeln wir Lese und Schreibrechte über Cloud Storage, S3 und ADLS hinweg?
- Wie verhindern wir Wildwuchs in Hybrid und Multi Cloud Data Paths?
- Wie stellen wir sicher, dass Agenten nur das sehen, was sie sehen sollen – und nicht mehr?

Agenten als Identitäten mit erweiterten Security-Maßnahmen
Ein Thema, das viele Unternehmen unterschätzen werden, ist Identity & Access Management für Agenten. Hier sehen wir starke Parallelen zur UEM Welt: Was bisher nur Endgeräte und Nutzer:innen waren, muss nun um Agenten erweitert werden – denn diese müssen genauso klar gesteuert, überwacht und begrenzt werden. Mehr Infos zu IAM hier.
Die Security-Fragen müssen ergänzt werden, um:
- Wie modellieren wir einen Agenten im IAM? Service Account pro Agent oder Agent Pool?
- Wie lösen wir Credential Rotation bei Long Running Agents?
- Daten-Pfade: Cross-Cloud-Lakehouse erfordert klare Zugriffsregeln auf S3, ADLS und Cloud Storage.
- Wie setzen wir Hard Caps und Soft Caps gegen Kostenexplosionen bei parallel skalierenden Agenten?
Secure-by-design wird essentiell
Während Unternehmen in komplexe Hybrid-& Multi-Cloud-Umgebungen expandieren und die KI durchaus mit sensiblen Unternehmensdaten füttern, nutzen auch Angreifer die Möglichkeiten und konnten die Zeit zwischen erstem Systemzugriff und sekundärer Ausbeutung von 8 Stunden auch gerade einmal 22 Sekunden verkürzen. Security muss auch bei KI-Themen das Fundament bilden und bei jedem Produkt von Grund auf mitgedacht, direkt eingebaut werden und nicht nur KI-gestützt, sondern KI-geführt umgesetzt werden. Auch auf der Next 2026 hat das Thema ein ganz anderes Gewicht als in den Vorjahren gehabt. Google spricht sogar von einem Übergang zu AI-geführter Cyber-Defense, die von Menschen überwacht wird.
Fassten generative KI-Tools früher Warnmeldungen zusammen, werden Agenten in Zukunft aktiv im Security Operations Center mitarbeiten. Beispielsweise ein Detection Engineering Agent, der Lücken identifiziert und bei Bedarf selbst neue Regeln schreibt. Oder Third Party Context Agenten, die Security Workflows mit externem Bedrohungswissen anreichern.
Dass dieser Ansatz bereits heute messbaren Effekt hat, zeigt die Praxis: Das Firefox Team konnte mithilfe des KI Modells Claude Mythos Preview innerhalb eines Update Zyklus 271 Sicherheitslücken identifizieren und schließen – ein Umfang, der mit klassischen manuellen Methoden kaum realisierbar gewesen wäre. Entscheidend ist dabei weniger, dass KI „übermenschliche“ Schwachstellen findet, sondern dass sie auf dem Niveau erfahrener Security Forscher denkt – nur eben in einer Geschwindigkeit und Breite, die den Vorteil von Angreifern erheblich schrumpfen lässt.
Für Admin und Security Teams bedeutet das: weniger manuelle Pflege, schnellere Reaktion und bessere Abdeckung großer Code und Systemlandschaften. Gleichzeitig zeigt genau dieses Beispiel, dass das Wettrennen zwischen KI, die für Angriffe, und KI, die für Verteidigung genutzt wird, nicht zu weniger Verantwortung führt. Im Gegenteil: Wenn Schwachstellen maschinell deutlich schneller auffindbar sind, steigt der Druck, Security Prozesse, Governance und Monitoring konsequent weiterzuentwickeln – denn die gleiche Technologie steht prinzipiell auch Angreifern zur Verfügung.
AI assisted Development: Produktivität, die skaliert
Ein weiteres klares Signal von der Next 2026: Software-Development wird dauerhaft KI unterstützt. KI-Dev-Tools übernehmen zeitaufwendige Aufgaben und funktionieren faktisch wie ein ständig verfügbarer Senior Engineer:
- Code schreiben
- Bugs finden
- Infrastruktur optimieren
- Performance analysieren
Gleichzeitig öffnen Low/No Code Werkzeuge die Tür für Fachbereiche. Unternehmensweit können Teams für ihre Use Cases Anwendungen entwickeln. Dabei eine zentrale Fähigkeit für die Zukunft: klare Ziele formulieren und den richtigen Kontext geben.
Die Zahlen von Google unterstreichen das:
- Rund 75 % der Google Cloud Kunden nutzen KI-Produkte, um ihr Geschäft zu stärken
- In den letzten 12 Monaten haben 330 Google-Cloud-Kunden mehr als eine Billion Tokens verarbeitet – 35 Kunden sogar 10 Billionen Tokens
Das ist keine Zukunftsmusik – das ist Realität. Das ist das neue Wettbewerbsumfeld.
Googles Weg in dieser neuen Realität
Google wirkte auf der Next 2026 äußerst zielstrebig, agiert schneller als in den vergangenen Jahren und ist fest entschlossen, im Bereich der Unternehmens-KI die Nase vorn zu haben. Die Kombination aus Infrastruktur, dem Gemini-Ökosystem, Agent-Tools, Partnerschaften und Investitionen in die Sicherheit macht das Unternehmen zu einem sehr starken Akteur.
CEO Thomas Kurian hat Googles Strategie klar strukturiert:
1. Agentic Foundation
Gemini Modelle, TPU Infrastruktur
2. Agentic Platform
Gemini Enterprise, Agent Designer, Inbox, ADK
3. Agentic Applications
Vorgefertigte Agenten für CRM, IT Operations, Marketing
Besonders auffällig war die starke Präsenz von Wiz, einer AI-First-Sicherheitsplattform. Dies zeigt, wie strategisch wichtig Cloud-Sicherheit für Google ist. Die Übernahme von Wiz durch Google signalisiert die Absicht, das Sicherheitsportfolio von Google Cloud durch moderne, cloud-native Sicherheitslösungen, Security Posture Management, Bedrohungserkennung und Multi-Cloud-Transparenz zu stärken.

Unser Fazit
- Der Business Impact von KI ist real und wird immer stärker – jetzt: von Microservices bis zu Multi-Service-Agenten mit automatisierten End to End Prozessen.
- KI Agenten sind vom Konzept zur Unternehmensrealität geworden: Sie werden als neue „User“ verstanden und sind im Orchestrieren von Daten und Infrastruktur mitzubedenken.
- Security muss von Anfang an Teil der Architektur sein – und spielt als Fundament eine enorm wichtige Rolle im KI-Kontext.
- Die Rolle von IT Security und Plattform Teams wandelt sich:
– weg von manueller Triage
– hin zur Steuerung, Governance und Kontrolle von KI Akteuren
Die große Herausforderung für Unternehmen wird nicht sein, KI einzuführen, sondern die Kontrolle zu behalten – technisch und organisatorisch. Die Agentic Era hat begonnen – und ist kein Zukunftsthema mehr.
Oder in Googles Worten: AI agents are moving from concept to enterprise reality — and security is moving with them.
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Als IT Dienstleister sehen wir unsere Rolle genau dort: zwischen Plattform, IT- & Endpoint-Security und gelebtem Betrieb. Wir beschäftigen uns sowohl mit der Entwicklung eigener KI-Agenten als auch mit deren Identity Management im UEM-Rahmen, um Ihre Infrastruktur sicher zu halten.

